Editorial Matchball-Ausgabe 04-2015

Matchball – Tennis in Berlin und Brandenburg 04-2015-TitelMatchball – Tennis in Berlin und Brandenburg 04-2015-Titel

Liebe Tennisfreunde in Berlin und Brandenburg,

als einfacher Konsument des täglichen Medienangebotes zum Sport ist man in den vergangenen Wochen aus dem Staunen, genauer, dem Entsetzen nicht herausgekommen. Der Deutsche Fußballbund (DFB), eingebunden in die Union of European Football Associations (UEFA) und der Fédération Internationale de Football Association (FIFA), eröffnete Ab¬gründe hinsichtlich des finanziellen Gebarens in diesen Ver¬bänden. „Ehrenamtliche“ Vertreter von Länderorganisationen stehen im Verdacht (Stand Oktober 2015), bei der Vergabe der Austragungsorte zu den Weltmeisterschaften beträcht¬liche finanzielle Zuwendungen aus “schwarzen Kassen” inte¬ressierter Ausrichter erhalten zu haben. Da in Deutschland bereits ein Blumenstrauß über 35 Euro als Bestechungsver¬such angesehen wird, der steuerlich von unseren Finanzäm¬tern nicht mehr als Betriebsausgabe anerkannt wird, sind die in Rede stehenden Zuwendungen unfasslich.

Besonders fatal an dieser Affäre ist, dass damit unweiger¬lich fast alle Sportorganisationen und deren Ehrenamtler un¬ter Generalverdacht stehen, es den Fußballdachverbänden gleich- oder sogar nachzumachen, zumindest aber empfäng¬lich für gewisse Zuwendungen zu sein. Ungeprüft versiche¬re ich, dass wir im TVBB keine Sorge haben müssen, solche monetären Zuwendungen an irgendjemanden zu verteilen oder verteilt zu haben. Wir haben kein überschüssiges Geld, wie schon die Entwicklung unserer Beitragseinnahmen zeigt. So hätte der TVBB rechnerisch mit dem Mitgliederhöchst¬stand des Jahres 1995 von fast 50.000 Mitgliedern heute ca. 140.000 Euro höhere Beitragseinnahmen. Anders herum ge¬sehen, fehlen diese Einnahmen sowie verminderte Zuschüsse aus Ballverträgen und vom LSB-Berlin zu unserer Etatgestal¬tung. Nun möchte ich hier kein Klagelied anstimmen. Doch eines ist sicher: Geld für Schwarze Kassen gibt es nicht im TVBB, für Überschüsse und nennenswerte Rücklagen hat es in den letzten Jahren nicht mehr gereicht.

Die frohe Botschaft der Pressemitteilung vom 14. Septem¬ber 2015 des DTB ist bei diesen sportpolitischen Turbulen¬zen beinahe untergegangen: „Der langjährige Rechtsstreit zwischen dem Deutschen Tennis Bund (DTB) und der Qatar Tennis Federation (QTF) auf der einen Seite sowie der Asso¬ciation of Tennis Professionals (ATP) auf der anderen Seite ist beendet. Im Konflikt um die Erstattung der durch den abge-schlossenen Prozess um die Herabstufung der German Open am Hamburger Rothenbaum entstandenen Anwaltskosten wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt. Die ATP hat ih¬re Millionenklage gegen die beiden erstgenannten Parteien zurückgezogen.“

Jahrelang pendelte das Damoklesschwert von ca.16 – 20 Mil¬lionen US-Dollar Anwaltskosten der ATP über dem Deutschen Tennisbund, wie die Medienvertreter in Zeitungen, Zeitschrif¬ten und im Fernsehen berichteten. Zur Erinnerung: Hamburg hatte bis zum Jahr 2008 ein sogenanntes 1000-Turnier der Master Series, d.h. der Sieger erhielt 1.000 Weltranglisten¬punkte (Grand Slam 2.000 Punkte). Die ATP hatte damals oh¬ne Absprache mit dem DTB das Turnier ab dem Jahr 2009 auf eine 500-Lizenz degradiert, so dass die Attraktivität für Top- 10-Spieler, Zuschauer und für Medien entsprechend sank. Gegen diese zweifelhafte Vorgehensweise klagte der DTB ge¬gen die ATP.

Der TVBB und die anderen 17 DTB-Landesverbände werden sich an den Kosten des Vergleichs angemessen beteiligen (müssen), womit sich bereits heute ein höherer DTB-Beitrag abzeichnet. Im Gespräch ist eine Belastung für jedes Vereins¬mitglied von ca. 0,50 Euro pro Jahr, so dass der DTB für jeden Erwachsenen jährlich 2,10 Euro erhielte. Genaueres wird auf der Mitgliederversammlung des DTB im November in Frank¬furt beschlossen.

Mit diesem Vergleich im Rechtsstreit sollten solche negativen Schlagzeilen über den DTB der Vergangenheit angehören. Tennis als attraktiver Sport wird wieder in den Vordergrund rücken, die negativen Schlagzeilen liefern zur Zeit andere.

Ich wünsche eine aufregende Wintersaison, jedoch nur beim Training und im Wettkampf.
Präsident des TVBB

Ihr Klaus-Peter Walter

Präsident des TVBB

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